Filmkritik: Nach der Orgie

 

Wir sind dem Auf­wa­chen nah, wenn wir träu­men, dass wir träu­men“, hat Nova­lis geschrie­ben, und um eben­die­sen Nova­lis geht es en pas­sant in Pao­lo Sor­ren­ti­nos neus­tem Film „Youth“, zusam­men mit einem Musi­ker, einem Fil­me­ma­cher, einem Mönch und einer brei­ten Palet­te skur­ri­ler Gestal­ten. Zwei Jah­re nach dem mehr­fach preis­ge­krön­ten „La Gran­de Bel­lez­za“ ist mit „Youth“ ein Werk ent­stan­den, auf wel­ches das Nova­lis-Zitat nur all­zu gut passt, denn Sor­ren­ti­no scheint seit­her nicht mehr aus der ästhe­ti­schen Traum­welt des Vor­gän­ger­films her­aus­ge­fun­den zu haben.

Die Geschich­te, wenn man über­haupt von einer Geschich­te spre­chen kann, ist schnell erzählt: Der Kom­po­nist Fred Bal­lin­ger (Micha­el Cai­ne) ver­bringt mit sei­nem alten Freund, dem Regis­seur Mick Boyle (Har­vey Kei­tel), ein paar Tage in einem Well­ness-Hotel in den Schwei­zer Alpen. Die bei­den sin­nie­ren über das Leben, der­weil sie mit gros­ser Neu­gier das das ver­wir­ren­de Trei­ben der illus­tren Gesell­schaft um sie her­um beob­ach­ten. Unüber­seh­bar die Anspie­lun­gen auf Tho­mas Manns „Zau­ber­berg“ und Fel­li­nis „Acht­ein­halb“: Der sei­ner Inspi­ra­ti­on nach­trau­ern­de Künst­ler flieht in ein Sana­to­ri­um in den Ber­gen und trifft dort auf welt­ent­rück­te Figu­ren, wel­che ihn über das eige­ne Selbst sin­nie­ren las­sen. Das Motiv der Kur trägt dabei den gan­zen Film. Alles läuft auf Spar­flam­me, die Zeit der Aus­schwei­fun­gen und Orgi­en ist vor­über. Die Zeit, als Fred der gefei­er­te Kom­po­nist war, der sich mit Stra­win­sky traf und sein Leben als Rei­gen sexu­el­ler Eska­pa­den führ­te, die­se Zeit besteht nur noch als Erin­ne­rung. Die Per­son Fred Bal­lin­ger, die in die Ber­ge gereist ist, lebt in stän­di­ger Furcht, sich irgend­wann gar nicht mehr erin­nern zu kön­nen. Das mehr­ma­li­ge Fle­hen eines könig­li­chen Abge­sand­ten, sei­ne berühm­tes­te Kom­po­si­ti­on zu Ehren der Queen in Lon­don auf­zu­füh­ren, zeigt bei dem in Resi­gna­ti­on ver­fal­le­nem Fred kei­ne Wir­kung.

An Psy­cho­lo­gie scheint Sor­ren­ti­no in „Youth“ frei­lich wenig Inter­es­se zu haben, die Figu­ren blei­ben irri­tie­rend ein­di­men­sio­nal. Statt in die see­li­schen Abgrün­de sei­ner Prot­ago­nis­ten abzu­tau­chen, bleibt der Film blos­se Ober­flä­che, eine rei­ne Büh­ne, auf wel­cher eine skur­ri­le Epi­so­de auf die nächs­te folgt. Da ist die­se Dreh­büh­ne im Gar­ten des Sana­to­ri­ums, auf wel­cher jeden Abend neue Musi­ker wie Auf­zieh­pup­pen ihre Dar­bie­tung abspie­len; eine geheim­nis­vol­le Frau im Schlei­er, ein schein­bar stum­mes aris­to­kra­ti­sches Ehe­paar, zwei Men­schen, die sich zu ver­ach­ten schei­nen, aber anschlie­ßend wild in den Berg­wäl­dern kopu­lie­ren; ein Die­go Mara­dona-Ver­schnitt, nur dop­pelt so beleibt; alte Men­schen, die wie Zom­bies oder gleich­ge­schal­te­te Robo­ter im Gleich­schritt den Well­ness­be­reich des Hotels bevöl­kern; auf Spa­zier­gän­gen wird über Nova­lis dis­ku­tiert; und zu guter Letzt sitzt auch noch Adolf Hit­ler per­sön­lich am Tisch.

Natür­lich, auch „La Gran­de Bel­lez­za“ war gröss­ten­teils frag­men­ta­risch und nicht weni­ger ästhe­ti­zis­tisch. Doch waren die Frag­men­te kunst­voll inein­an­der ver­wo­ben, die Über­gän­ge jeweils flies­send, leicht­füs­sig und schwel­ge­risch. Nur prä­sen­tiert sich die­ses „L’art pour l’art“ in „Youth“ bloss noch als kunst­ge­werb­li­che Num­mern­re­vue, die lust­los einen cine­as­ti­schen Kunst­griff nach dem ande­ren aus dem Hut zau­bert. So als lies­se sich bei Betrach­tung des Films in Echt­zeit beob­ach­ten, wie sich die ästhe­ti­sche Grund­idee zu Tode läuft. Es hat ganz den Anschein, als ob sich Sor­ren­ti­no beim Plün­dern des eige­nen Meta­pher­nar­se­nals in den Win­dun­gen sei­ner artis­ti­schen Rum­pel­kam­mer ver­irrt hat. Und ehe ihm dabei die Pus­te aus­geht, ver­liert er sich bedau­er­li­cher­wei­se im Kitsch, etwa als er einen den gan­zen Film über medi­tie­ren­den bud­dhis­ti­schen Mönch in der Luft schwe­ben lässt. Das ist umso bekla­gens­wer­ter, als dass „Youth“ eigent­lich her­vor­ra­gend besetzt wäre. Cai­ne und Kei­tel nimmt man die altern­den Künst­ler und abge­half­ter­ten Melan­cho­li­ker von der ers­ten Sekun­de ab, Jane Fon­das Kurz­auf­tritt als ver­welk­te Diva gehört gar zu den Höhe­punk­ten. Nur das allei­ne ist zu wenig. Wer sei­nen Dar­stel­lern eine Büh­ne bie­ten möch­te, soll­te die­se nicht mit einer baro­cken Fül­le an Requi­si­ten über­la­den.

(Bas­ler Zei­tung)

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Literaturkritik: Ein hypnotischer Totentanz

Düs­ter, beklem­mend, ver­stö­rend — Heinz Hel­les zwei­ter Roman «Eigent­lich müss­ten wir tan­zen» erzählt vom Ende der Gesell­schaft, des Men­schen und der Spra­che.

Irgend­wann im Win­ter. Eine Grup­pe jun­ger Män­ner ver­bringt ein Wochen­en­de in einer abge­le­ge­nen Berg­hüt­te. Als sie ins Tal zurück­keh­ren, exis­tiert die Welt, die sie kann­ten nicht mehr. Die Dör­fer und Städ­te bren­nen oder lie­gen bereits in Trüm­mern, die Orte sind ver­wüs­tet, geplün­dert, ver­las­sen, und über­all lie­gen Lei­chen. Nun­mehr geht es ein­zig um das Über­le­ben.

Das Ende der Zivi­li­sa­ti­on. Es ist gewiss kein neu­es Sze­na­rio, das Heinz Hel­le in sei­nem zwei­ten Roman «Eigent­lich müss­ten wir tan­zen» auf­greift. Gera­de jetzt, wo sich Dia­gno­sen des Zeit­geis­tes nur all­zu oft im Topos der Kri­se und des bevor­ste­hen­den Unter­gangs erschöp­fen, könn­te man dem Autor leicht vor­wer­fen, einem simp­len Trend zu fol­gen. Doch Hel­le, der Phi­lo­soph, hat ande­res im Sinn.

Was wäre wohl der Fall, wenn die Din­ge anders lägen als sie es tat­säch­lich tun? Wel­chen Bestand haben mora­li­sche Wer­te, wenn das sozia­le Regel­kor­sett, das sie zusam­men­hält, urplötz­lich ver­schwin­det? Was bedeu­tet es, ein Mensch zu sein, wenn nur noch die Selbst­er­hal­tung wich­tig ist? Es sind Fra­gen die­ser Art, die Hel­le in Form eines phi­lo­so­phi­schen Gedan­ken­ex­pe­ri­ments durch­spielt — und dies nicht in Gestalt eines exis­ten­zi­el­len Dra­mas, son­dern als gefühls­kalt arran­gier­te wis­sen­schaft­li­che Ver­suchs­an­ord­nung, erbar­mungs­los bis zum Schluss.

War Hel­les Debüt «Der beru­hi­gen­de Klang von explo­die­ren­dem Kero­sin» ein asso­zia­ti­ver Rei­se­be­richt in das Bewusst­sein eines ruhe­lo­sen Den­kers, so prä­sen­tiert sich das Nach­fol­ge­werk deut­lich greif­ba­rer — aber nicht min­der radi­kal.

Irri­tie­ren­de Bil­der

In der kal­ten, bren­nen­den Welt, in wel­che Hel­le den Leser hin­ein­wirft, ist der Mensch bereits ver­schwun­den. Sowohl phy­sisch, als auch see­lisch, die ent­völ­ker­ten Rui­nen und das Grau­en, das sich dar­in abspielt, sind im wahrs­ten Sin­ne un-mensch­lich. Die Prot­ago­nis­ten — Dry­gal­ski, Gru­ber, Fürst, Gol­de und der namen­lo­se Erzäh­ler — wir­ken zu kei­nem Zeit­punkt wie Per­so­nen mit indi­vi­du­el­len Unter­schei­dungs­merk­ma­len, es sind nur­mehr Kör­per mit Namen, Kör­per, die fort­be­stehen wol­len. Und dazu ist jedes Mit­tel recht. Mord, Raub und Ver­ge­wal­ti­gung gesche­hen mit der­sel­ben Selbst­ver­ständ­lich­keit wie das Atmen und Schla­fen. «Wir sind nur noch zu gross gera­te­ne Bak­te­ri­en», stellt der Erzäh­ler nüch­tern fest.

Mit der­sel­ben Nüch­tern­heit brei­tet Hel­le ein wah­res Pan­op­ti­kum des Grau­ens aus, in einer Spra­che, die in ver­stö­rend bru­ta­ler Schlicht­heit zu einer Poe­sie des Schreck­li­chen wird. Sät­ze und Bil­der wie ein Schlag in die Magen­gru­be, Bil­der, die sich ein­bren­nen, die ein­si­ckern in das Bewusst­sein, sich dort fest­set­zen und wei­ter wir­ken. Da ist die­ser ver­las­se­ne Stall, in dem die Kühe immer noch an der Melk­ma­schi­ne hän­gen und die Maschi­ne saugt und saugt, wie es Melk­ma­schi­nen eben tun, «obwohl aus den Kühen schon lan­ge nichts mehr kommt, sie sind leer unter dem Fell bis auf die Kno­chen.» Oder die­ses Kind, das die Schä­del sei­ner Eltern zer­trüm­mert hat oder Hun­der­te ver­kohl­te Kör­per in einer aus­ge­brann­ten Dis­ko­thek.

Gefühls­käl­te als Prin­zip

Wie das Unfass­ba­re in Wor­te fas­sen? Hel­le bedient sich dazu einer Spra­che, die kei­ne Gefüh­le mehr aus­drü­cken, ver­mit­teln, trans­por­tie­ren kann, da sie ihren Ursprung in einer Welt hat, in der jeg­li­ches Gefühl längst abge­stor­ben ist. Das erin­nert unwei­ger­lich an Kaf­ka, an Hou­el­le­becq. Gefühls­käl­te ist hier Sprach­käl­te, ist die Käl­te des nicht enden wol­len­den Win­ters, die Käl­te der Welt.

«Eigent­lich müss­ten wir tan­zen» folgt kei­nem kohä­ren­ten Erzähl­strang. Viel­mehr besteht der Roman aus 69 lose zusam­men­hän­gen­den Bil­dern. Doch da ist die­se rhyth­misch-trei­ben­de Kraft im Text, die den Plot als auch den Lese­fluss uner­müd­lich antreibt. Auch wenn die Prot­ago­nis­ten kaum mehr emp­fin­den, so sind sie noch Kör­per, die in Bewe­gung blei­ben wol­len, die sich nur noch erhal­ten wol­len. Gera­de weil Hel­le dies betont distan­ziert schil­dert, gewinnt es eine Inten­si­tät, die in ihrer Wir­kung fast hyp­no­tisch wird, ein nicht enden wol­len­der, fieb­ri­ger Traum. Stei­gen, Waten, Schlur­fen, Stap­fen, Krie­chen, der Schnee unter den Füs­sen, der Asphalt, der Morast, der Wald­bo­den unter den Soh­len — es ist eine Phä­no­me­no­lo­gie der Fort­be­we­gung, die der Autor ent­fal­tet.

Fas­zi­nie­ren­der Sog

Wer nun aber glaubt, dass die­se Bewe­gung auf ein fina­les Ziel hin­aus­läuft, auf eine phi­lo­so­phi­sche Poin­te, die der Apo­ka­lyp­se wenigs­ten einen Sinn abge­winnt, der wird ent­täuscht. In die­ser Wüs­te des Rea­len gibt es weder Erklä­run­gen noch tie­fe­re Ein­sich­ten. Nicht wei­ter schlimm.

Dazu ist die Sog­wir­kung von Hel­les Pro­sa ein­fach zu stark — und zu fas­zi­nie­rend. Eine schwin­den­de Spra­che, die ihre zuneh­men­de Wort­lo­sig­keit zu fas­sen ver­sucht. Sie pro­to­kol­liert ihr eige­nes Ver­schwin­den, ein letz­tes Auf­bäu­men des Sinns, der ange­sichts tota­ler Sinn­lo­sig­keit zur blos­sen Chif­fre ver­blasst ist. «…wenn nach uns jemand die Welt wie­der auf­baut, wird es eine schweig­sa­me Welt sein.»

Info: Heinz Hel­le, «Eigent­lich müss­ten wir tan­zen», Suhr­kamp Ver­lag 2015, 173 Sei­ten, ISBN: 978–3‑518–42493‑3, 28.90 Fran­ken.
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Zur Per­son
Heinz Hel­le, gebo­ren 1978 in Mün­chen, Stu­di­um der Phi­lo­so­phie in Mün­chen und New York, Arbeit als Tex­ter in Wer­be­agen­tu­ren, Dis­ser­ta­ti­on im Bereich Phi­lo­so­phie des Geis­tes.
• Absol­vent des Schwei­ze­ri­schen Lite­ra­tur­in­sti­tuts in Biel, wohn­haft eben­dort, ver­hei­ra­tet, eine Toch­ter. Sein Roman­de­büt «Der beru­hi­gen­de Klang von explo­die­ren­dem Kero­sin» erschien 2014.
• Aus­zeich­nun­gen und Prei­se: Deut­scher Buch­preis (Lon­g­list) 2015, Werk­bei­trag der Schwei­zer Kul­tur­stif­tung 2015, Schwei­zer Buch­preis (Short­list) 2014, Lite­ra­tur­preis des Kan­tons Bern 2014, Ernst-Will­ner-Preis 2013 (im Rah­men des Inge­borg-Bach­mann-Wett­be­werbs), Wal­ter-Kem­pow­ski-Lite­ra­tur­preis 2011.

(Bie­ler Tag­blatt 15.10.2015)

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Ein zeitreisender Schöngeist

Ueli Tüscher betreibt eine Kunst­ga­le­rie in Biel. Der Mann, bei dem neben Jahr­hun­der­te alten Holz­sti­chen auch ech­te Picas­sos und Dalís den Besit­zer wech­seln, lebt nicht nur von der Kunst – er lebt in der Kunst.

Paris, 1961, Rue Valet­te. Ein 19-jäh­ri­ger Jüng­ling aus Biel tritt auf offe­ner Stras­se an einen 74-Jäh­ri­gen, etwas zer­zaust wir­ken­den Herrn her­an und ergreift das Wort. Er kom­me ihm bekannt vor, habe ihn auf Abbil­dun­gen gese­hen. Ob er ein Künst­ler sei? Der alte Mann bricht in schal­len­des Geläch­ter aus und ist ob die­ser Dreis­tig­keit der­art ent­zückt, dass er den Bur­schen zu sich in sein Ate­lier ein­lädt. Der 19-Jäh­ri­ge heisst Ueli Tüscher, der Name des älte­ren Herrn: Marc Chagall.
47 Jah­re spä­ter, am 18. Novem­ber 2008, einen Tag nach Ueli Tüschers 66. Geburts­tag, ist Chagall längst tot, und Tüscher schrammt nur um Haa­res­brei­te am Lebens­en­de vor­bei. Ein plötz­li­ches Ste­chen im Rücken und aku­te Atem­not, dann Schwär­ze, Stil­le. Über zehn Stun­den wird Tüscher ope­riert, des­sen Aor­ta kurz zuvor geris­sen war. Als er wie­der zu Bewusst­sein kommt, ist er halb­sei­tig gelähmt und die Ärz­te tei­len ihm mit, dass er einen Hirn­schlag erlit­ten habe. Zwei Tage zuvor hat er den Ver­trag für eine eige­ne Kunst­ga­le­rie in Biel unter­schrie­ben.
Und hier und heu­te sitzt er nun da, inmit­ten sei­ner mit Kunst­schät­zen über­quel­len­den «See­land-Gale­rie» an der Sil­ber­gas­se und erzählt die Geschich­te sei­nes Lebens. Er, des­sen aus­ge­präg­ter Sinn für das Schö­ne ihn um die hal­be Welt geführt hat, in den Kunst­sze­nen der gros­sen Metro­po­len ver­kehr­te,  ruht nun in sei­nem eige­nen ästhe­ti­schen Kos­mos, sei­ner Gale­rie und sei­ner Woh­nung. Roll­stuhl und Rol­la­tor haben die Dimen­sio­nen sei­ner Lebens­welt dras­tisch ver­klei­nert. «Ger­ne wäre ich mehr draus­sen», sagt Tüscher mit einem Anflug von Bedau­ern in der Stim­me. «Aber so ist das Leben», meint er in plötz­lich auf­schei­nen­dem Stoi­zis­mus.
In die Kunst gebo­ren
Ueli Tüscher will erzäh­len, nicht lamen­tie­ren. 1942 in Biel gebo­ren, wächst er in einem von Kunst durch­drun­ge­nen Umfeld auf. Der Vater, ein bedeu­ten­der Mann in ein­fluss­rei­cher Posi­ti­on, der mit Lei­den­schaft Kunst sam­melt, bevor­zugt Bil­der hol­län­di­scher Maler. Mehr möch­te Tüscher nicht ver­ra­ten.
Als Ueli 15 Jah­re alt ist, hängt bereits ein ech­ter Dalí in sei­nem Zim­mer, aller­dings «nur» ein Pla­kat. Gezeich­net hat er schon immer ger­ne, ent­schliesst sich zu einer Leh­re als Hoch­bau­zeich­ner. Er beweist zum Kunst­ver­stand auch hand­werk­li­ches Geschick und schon bald lässt der Vater ihn sei­ne Holz­sti­che und Radie­run­gen ein­rah­men. Holz­sti­che, Radie­run­gen, Litho­gra­fien, spre­chen ihn beson­ders an, er bewun­dert deren tech­ni­sche Prä­zi­si­on. Nicht gerin­ger ist Tüschers Fas­zi­na­ti­on für das Spiel mit Far­ben, deren expres­sio­nis­ti­sche Inten­si­tät im Werk Marc Chagalls ihn mit jedem Betrach­ten aufs Neue über­wäl­tigt.
100 Dalís für 5000 Fran­ken
Chagall, Dalí, Miro, Picas­so, Braque, Klee, Matis­se, Lich­ten­stein und War­hol. Es sind gros­se Namen der Kunst­ge­schich­te, die sich in Tüschers «See­land-Gale­rie» lücken­los neben ihre eher unbe­kann­ten hel­ve­ti­schen Kol­le­gen Aber­li, König, Lory, Freu­den­ber­ger, Bir­mann und Herr­li­ber­ger  gesel­len.
«Ich habe sehr oft Glück gehabt, bin im rich­ti­gen Moment auf die rich­ti­gen Leu­te getrof­fen», ant­wor­tet Tüscher auf die Fra­ge, wie er sich einen der­ar­ti­gen Kata­log erar­bei­tet habe. So zum Bei­spiel im Jahr 1992, als er in Aar­berg eine Gale­rie betreibt, par­al­lel zu einer wei­te­ren in Lyss. Da ist die­ses unglaub­li­che Tausch­ge­schäft: 100 Dalís für 5000 Fran­ken cash und ein paar afri­ka­ni­sche Figu­ren. Es han­delt sich um Xylo­gra­fien – Holz­schnit­te – die Dan­tes «Divina Commedia» illus­trie­ren, vor­ma­li­ger Besit­zer ist der Bischof von Sie­na. «Sein Nef­fe, ein ver­schwen­de­ri­scher Lebe­mann, hat­te die Holz­schnit­te geerbt und brauch­te drin­gend Geld», erzählt Tüscher. Dass der Erbe sich über­haupt nach Arberg ver­irrt, hat wohl mit Tüschers mitt­ler­wei­le zur Per­fek­ti­on gereif­ten Fähig­keit zu tun, Holz­schnit­te zu rah­men. Aus ganz Euro­pa suchen ihn Kunst­samm­ler auf, um von sei­ner sel­ten gewor­de­ner Sach­kun­de zu pro­fi­tie­ren.
Nach Aar­berg und Lyss folgt 2002 eine Gale­rie in Jens, die er bis zu jenem schick­sal­haf­ten Tag im Novem­ber 2008 führt.
Maka­be­res Sujet
Die Läh­mung ist wie­der ver­schwun­den, hat aber Spu­ren hin­ter­las­sen. Ueli Tüschers Kör­per ächzt unter jeder Bewe­gung, so also ob jede Mus­kel­fa­ser bis zur Belas­tungs­gren­ze stra­pa­ziert wür­de. Über sei­nen Rol­la­tor gebeugt, schiebt er sich in bedäch­ti­ger Lang­sam­keit vor­wärts. Ein Leib, der sich mit den ihm gesetz­ten Gren­zen nicht abfin­den will. Mit leich­tem Zit­tern hebt Tüscher den Arm und deu­tet mit dem Zei­ge­fin­ger auf ein Gemäl­de.
Sein Lieb­lings­bild, gemalt von einem namen­lo­sen Künst­ler. Es zeigt eine jun­ge Frau in nacht­blau­em Schlei­er, ihr Ant­litz im Spie­gel betrach­tend. Der Spie­gel wirft das Bild ihres nack­ten Toten­schä­dels zurück. Rechts unten eine Hand, die ein Stun­den­glas umdreht. War­um die­ses Bild? Eine lei­se Vor­ah­nung? Ästhe­ti­sches Zuge­ständ­nis an eine eige­ne Todes­sehn­sucht? «Ach was», Tüscher winkt ab, «mir gefal­len ledig­lich die Far­ben!»

Die Dank­bar­keit dar­über, nach den erlit­te­nen Rück­schlä­gen noch klar den­ken zu kön­nen, wech­selt sich ab mit der Sehn­sucht nach dem ver­gan­ge­nen Leben. Seit drei Jah­ren war er nicht mehr in der Nid­au­gas­se, weiss nicht mehr, wie die­se Stras­se heu­te aus­sieht. Es sei eben zu anstren­gend. So fremd ihm das gegen­wär­ti­ge Erschei­nungs­bild der Stadt auch sein mag, um so ver­trau­ter ist ihm das Ver­gan­ge­ne. Die Stadt, die Ueli Tüscher frü­her sel­ber erkun­det hat, ergrün­det er heu­te in sei­nen Bil­dern. Es sind Bil­der, die in ihrem Detail­reich­tum der­art ver­schwen­de­risch wir­ken, dass sie den Blick für Stun­den gefan­gen neh­men kön­nen.
Auf Zeit­rei­se
Nur schon die­se Litho­gra­fie. Biel um 1885 aus der Vogel­per­spek­ti­ve. Es ist die Zeit, als das Röss­lit­ram den Takt des städ­ti­schen Lebens beschleu­nigt. Der Blick beginnt umge­hend in den Stras­sen, Plät­zen und Alle­en zu wan­dern, zu erkun­den, zu erfor­schen. In der Betrach­tung wird der Beob­ach­ter zum Fla­neur. Man kann an einem belie­bi­gen Punkt begin­nen und sich ziel­los trei­ben las­sen. Am Zen­tral­platz , im Her­zen der Stadt, macht das Röss­lit­ram eine Links­kur­ve, direkt in die Zen­tral­stras­se, die das ab dem Jahr 1857 erstell­te Neu­quar­tier erschliesst.  Hier resi­diert das Bür­ger­tum, die poli­ti­sche und unter­neh­me­ri­sche Eli­te, die gera­de erst zuge­zo­ge­nen Uhr­macher­fa­mi­li­en, die bald das öko­no­mi­sche Räder­werk die­ser sich im Auf­bruch befin­den­den Stadt am Lau­fen hal­ten wer­den. Die rech­te Stras­sen­sei­te ist noch unbe­baut. Hin­ter den Bäu­men liegt das Schä­delis­matt-Gut, wo Jean Sess­ler sei­ne Zigar­ren­pro­duk­ti­on unter­ge­bracht hat. Die Tram­ge­lei­se füh­ren am Brun­nen­platz und am Bur­ger­schul­haus vor­bei zur 1882 eröff­ne­ten Haupt­post an der Müh­le­brü­cke. Dann wen­det sich das Tram nach rechts. Bald erreicht es die Kanal­gas­se, die Schüss liegt abschnitt­wei­se noch frei und wirkt wie die Haupt­schlag­ader die­ses zum Leben erwach­ten, pul­sie­ren­den Orga­nis­mus, für den man die Stadt Biel aus die­ser Per­spek­ti­ve hal­ten kann.

Wer Ueli Tüscher auf sei­nen Expe­di­ti­on in das ver­gan­ge­ne Biel folgt, dem wird klar, die­ser Mann lebt fast leib­haf­tig in sei­nen Bil­dern, in Per­spek­ti­ven, in Erzäh­lun­gen. «Oh je!» enfährt es ihm plötz­lich und lässt die Gedan­ken­rei­se abrupt enden, «Das Bild hängt schief». Dem Auge des Ästhe­ten ent­geht eben nichts.

(Bie­ler Tag­blatt 19.04.2015)

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«Ich habe mich mit allen und jedem angelegt»

Seit einem hal­ben Jahr­hun­dert schreibt Rai­ner W. Wal­ter als «Rha­bil­leur» für das «Bie­ler Tag­blatt». Dar­über hin­aus hat er als His­to­ri­ker, Poli­ti­ker, Schrift­stel­ler und Leh­rer gewirkt — obwohl er eigent­lich Matro­se wer­den woll­te.

Jour­na­list, Schrift­stel­ler, Poli­ti­ker, His­to­ri­ker, Leh­rer, Kri­ti­ker, Zeit­zeu­ge, Grench­ner — von all den mög­li­chen Eti­ket­tie­run­gen, die zutref­fend wären, eine Per­son wie Rai­ner W. Wal­ter zu cha­rak­te­ri­sie­ren, hat jede ein­zel­ne ihre Berech­ti­gung. Den­noch passt kein Begriff so prä­zi­se wie der des «Rha­bil­leurs».

Ein Rha­bil­leur befasst sich mit der Repa­ra­tur und dem Unter­halt von Klein- und Gross­uh­ren sowie mit dem Zusam­men­bau von Pro­duk­ten der Uhren­in­dus­trie. Er kennt die damit ver­bun­de­nen Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren und ist für die Qua­li­täts­si­che­rung zustän­dig. Der Rha­bil­leur war­tet und repa­riert Zeit­mess­ge­rä­te aller Art, baut Uhren zusam­men und über­wacht maschi­nel­le Arbeits­vor­gän­ge in der Fabri­ka­ti­on. Feh­len­de Tei­le weiss er selbst zu kon­stru­ie­ren und her­zu­stel­len.

Der Welt­ver­bes­ser

Ein Rha­bil­leur, wie Rai­ner W. Wal­ter ihn ver­kör­pert, setzt sein Werk­zeug an den Zahn­rä­dern des gesell­schaft­li­chen Räder­werks an, stets bemüht, dort zu jus­tie­ren, wo es Kor­rek­tu­ren, Repa­ra­tu­ren oder Sup­ple­ments benö­tigt, sei es in Fra­gen der Poli­tik, der Gesell­schaft oder der Erzie­hung. Sei­ne Instru­men­te sind das geschrie­ben Wort, ein unge­bän­dig­ter Enthu­si­as­mus und ein nicht uner­heb­li­ches Quänt­chen Idea­lis­mus.

Tex­te aus einem hal­ben Jahr­hun­dert, für die «Solo­thur­ner AZ», für «Ver­kehr und Sport», für den «See­butz», für his­to­ri­sche Jahr­bü­cher. Zei­tungs­nach­rich­ten, Zei­tungs­ar­ti­kel, geschicht­li­che Abhand­lun­gen, Fest­schrif­ten, Lexi­kon­ein­trä­ge, Por­traits, Pro­to­kol­le, Glos­sen, Kri­ti­ken, Kurz­ge­schich­ten, Erzäh­lun­gen, und ein Roman. Es ist eine chao­tisch anmu­ten­de Men­ge an Tex­ten, die Wal­ter seit dem Jahr 1965 pro­du­ziert hat, die ein­zi­ge klar erkenn­ba­re Kon­stan­te: Seit 50 Jah­ren erscheint sei­ne Kolum­ne «Rha­bil­la­ges» im Bie­ler Tag­blatt.

«Ich bin ein his­to­ri­scher Mes­sie», sagt Rai­ner W. Wal­ter mit unüber­hör­ba­rem iro­ni­schem Unter­ton. Er sehe sich als Samm­ler von Geschich­ten und Ereig­nis­sen, als jemand, der sich ein­zel­nen Gescheh­nis­sen annimmt, statt das zusam­men­hän­gen­de Gros­se und Gan­ze als sol­ches zu beschrei­ben. Es über­rascht nicht, dass Wal­ter sich Zeit sei­nes Schaf­fens gewei­gert hat, ein per­sön­li­ches Archiv anzu­le­gen. «Wenn man etwas auf­be­wahrt, muss man Ord­nung hal­ten. Das kann ich nicht.» «Ich bewah­re nichts auf, was ich geschrie­ben habe» — in sol­chen Äus­se­run­gen spricht eine Per­son, die das Frag­ment liebt, nicht das Sys­tem.

«Rha­bil­la­ge» — eine Uhr, die repa­riert wer­den muss. So nennt ihn die Mut­ter jeweils, wenn sie wütend auf ihn ist. Und weil es für Rai­ner W. Wal­ter so vie­le Din­ge gibt, die man rich­ten, repa­rie­ren, berich­ti­gen muss, wählt er spä­ter die­sen Namen für sei­ne Kolum­ne. «Frü­her woll­te ich die Welt ver­bes­sern, habe mich mit allen und jedem ange­legt», sagt er. Heu­te gehe es in sei­nen Tex­ten vor allem um Gren­chen. Das kom­me wohl vom Alter.

Der Leh­rer

Viel­leicht der Kampf­geist, nicht aber die Pro­duk­ti­vi­tät hat nach­ge­las­sen. Kei­ne Über­ra­schung bei einem, der immer geschrie­ben hat. Kei­ne Über­ra­schung, wenn man aus einer Fami­lie stammt, die den Wal­ter Ver­lag Olten her­vor­ge­bracht hat. Eine Fami­lie, in der vie­le Mit­glie­der den Leh­rer­be­ruf aus­üben, der Vater, der Gross­va­ter, der Göt­ti. «Du bist aus einer Leh­rer­fa­mi­lie, also wer­de Leh­rer», sagt ihm der Berufs­be­ra­ter und radiert damit den lan­ge geheg­ten Buben­traum, sich als Rhein­ma­tro­se zu ver­din­gen, von Rai­ner W. Wal­ters Hori­zont. Gestört habe es ihn nicht. Sei­nem Idea­lis­mus ver­leiht es eher zusätz­li­chen Auf­trieb. Ist für ihn doch ein Leh­rer, der sei­nen Beruf ernst nimmt, zwin­gend ein Welt­ver­bes­se­rer. 1958 erhält er das Pri­mar­leh­rer­pa­tent und tritt sei­ne ers­te Stel­le an der Gesamt­schu­le Hug­ger­wald an. «Das war echt hart», sagt er rück­bli­ckend. 40 Kin­der, ers­te bis neun­te Klas­se, alle in einem Schul­zim­mer, es gilt alle Fächer zu unter­rich­ten, bis auf Hand­ar­bei­ten und Reli­gi­on. Den­noch wird ihn die­ser Beruf so schnell nicht los­las­sen. 1959 bis 1973 unter­rich­tet er an den Stadt­schu­len Gren­chen, anschlies­send im Grench­ner Kin­der­heim Bach­te­len. Dort küm­mert sich Rai­ner Wal­ter um ver­hal­tens­auf­fäl­li­ge Kin­der, unter­stützt sie bei der Berufs­fin­dung. Das sei zwar viel här­ter als in einer öffent­li­chen Schu­le, den­noch fühlt er sich sicht­lich erleich­tert, aus der «Müh­le des Schul­be­triebs» raus zu sein, da ihm dies eine wesent­lich krea­ti­ve­re Unter­richts­ge­stal­tung ermög­licht. Da ist bei­spiels­wei­se die­ser lern­schwa­che Schü­ler, dem er lesen, schrei­ben und rech­nen bei­brin­gen soll. «Er war davon beses­sen, Töff­li fah­ren zu ler­nen. Also habe ich ihm Mathe­ma­tik via Brems­weg­be­rech­nun­gen und Lesen durch das Lösen der Theo­rief­ra­gen bei­gebracht.»

Der Autor

Rai­ner W. Wal­ters Krea­ti­vi­tät macht sich auch in Form lite­ra­ri­schen Schrei­bens bemerk­bar. All­tags­be­ob­ach­tun­gen ver­dich­tet er zu leicht absurd anmu­ten­den Kurz­ge­schich­ten, bei­spiels­wei­se über einen Mann, der Papier sam­melt und dar­in fast erstickt. An Schreib­wett­be­wer­ben nimmt er spon­tan teil und wird prompt aus­ge­zeich­net. «Ich suche nicht das Absur­de, das Absur­de fin­det mich», ant­wor­tet er auf die Fra­ge nach sei­ner Inspi­ra­ti­on. In einem Roman ver­ar­bei­tet er die Zeit, in der er höchst­per­sön­lich an den Rädern des poli­ti­schen Betriebs gedreht hat.

1961 bis 1973 wal­tet er als Gemein­de­rat in Gren­chen, 1981 bis 1985 als Ver­fas­sungs­rat des Kan­tons Solo­thurn und 1969 bis 1993 als Prä­si­dent der Kul­tur­kom­mis­si­on Gren­chen. Beson­ders die Tätig­keit als Kan­tons­rat weckt sei­nen Elan, jen­seits des poli­ti­schen Tages­ge­schäfts die Ver­fas­sung des Kan­tons aus­zu­ar­bei­ten. Auf die­ses Wir­ken geht auch die Ein­füh­rung der Volks­mo­ti­on in Solo­thurn zurück. Poli­tik habe ihn grund­sätz­lich immer am meis­ten fas­zi­niert, nir­gend­wo anders ist die Mög­lich­keit direk­ter Ein­fluss­nah­me grös­ser. «Poli­tik war für mich auch immer eine Art Spiel, eine Kunst des Abwä­gens, wie weit man gehen kann», beschreibt es der Rha­bil­leur mit leicht bos­haf­tem Bei­geschmack.

Und da ist er wie­der, die­ser bis­sig-sar­do­ni­sche Unter­ton, der sich wie ein roter Faden durch ein hal­bes Jahr­hun­dert sei­nes Schrei­bens zieht. Zumin­dest in Gestalt des Rha­bil­leurs. Die Spra­che des Lokal­jour­na­lis­ten und ‑chro­nis­ten Rai­ner W. Wal­ter ist wesent­lich nüch­ter­ner.

Ab 1956 schreibt er wäh­rend 38 Jah­ren als redak­tio­nel­ler Mit­ar­bei­ter für das BT über Gren­chen und Umge­bung. Mög­lichst ein­fach kom­pli­zier­te Sach­ver­hal­te zu erklä­ren — dar­in sieht er sowohl die Auf­ga­be des Jour­na­lis­ten als auch des Leh­rers. «Beleh­rend woll­te ich jedoch nie sein», stellt er klar. Zu Gren­chen öff­net sich neben dem jour­na­lis­ti­schen Zugang auch der des His­to­ri­kers. 1972, Rai­ner W. Wal­ter ist zu die­ser Zeit Prä­si­dent der Kul­tur­kom­mis­si­on, stört er sich ein­mal mehr dar­an, dass die von der Stadt Gren­chen publi­zier­te Geschichts­schrei­bung 1964 endet — und ruft dar­auf­hin das «Grench­ner Jahr­buch» ins Leben. Eine Chro­nik mit spe­zi­fi­schen Schwer­punk­ten, das ist die Idee. Auch die Kunst ist dar­in pro­mi­nent ver­tre­ten, da Gren­chen damals noch nicht über ein Kunst­haus ver­fügt. Wal­ters Tex­te leis­ten einen wesent­li­chen Bei­trag für die neue­re Grench­ner Geschichts­schrei­bung, mit wel­cher sich das 1999 gegrün­de­te kul­tur-his­to­ri­sche Muse­um befasst.

Am ver­gan­ge­nen Frei­tag ist Rai­ner Wal­ter 77 Jah­re alt gewor­den. Und er schreibt wei­ter. Im Moment arbei­tet er an einem Lehr­mit­tel, das Schul­klas­sen den Muse­ums­be­such erleich­tern soll. Viel­leicht will er auch wie­der Kurz­ge­schich­ten her­aus­ge­ben, wenn er denn dazu kommt. «Ich tre­te erst ab, wenn ich die 3500 Bücher gele­sen habe, die noch bei mir her­um­lie­gen», sagt er tro­cken. Zual­ler­erst ste­hen aber nun Feri­en an. Unter ande­rem nach Basel, zum Rhein­ha­fen. Es ist nie zu spät, vom Matro­sen­le­ben zu träu­men.

(Bie­ler Tag­blatt 11.06.2015)

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US-Tomahawk in 20 Bildern — Einfach so

Jaaaa, ich habe ein unglaub­lich gutes Stück Fleisch genies­sen dür­fen. Und dank die­ser tol­len Bil­der­ga­le­rie, kann ich jetzt ande­re Men­schen ein Stück weit an die­ser kuli­na­ri­schen Grenz­erfah­rung teil­ha­ben las­sen. Ist das nicht toll!?

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«Prince of Wales» zu verkaufen oder: Ein Versuch über den Vogelliebhaber

Als die Mit­tags­son­ne an jenem Sams­tag am Rand von Aar­berg schliess­lich durch das Gewölk bricht, erklingt zurück­hal­tend eine Melo­die, wie auf einem win­zi­gen Kla­vier gespielt. Die Sper­lin­ge pfei­fen und die Bäu­me flim­mern von feins­tem Gesang. «Prince of Wales» zu ver­kau­fen oder: Ein Ver­such über den Vogel­lieb­ha­ber“ wei­ter­le­sen

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Filmkritik: Kriegsfilm für Dummies

 

 

Kri­selt es beim natio­na­len Selbst­be­wusst­sein? Schwä­chelt der patrio­ti­sche Ener­gie­haus­halt? Kein Pro­blem! Die sehn­lichst benö­tig­te Dosis an Hero­is­mus kommt idea­ler­wei­se immer noch in Gestalt eines Kriegs­films daher. „Film­kri­tik: Kriegs­film für Dum­mies“ wei­ter­le­sen

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Filmkritik: Das bitter-süsse Gift der Rache

Ein­bli­cke in das mensch­li­che Bes­tia­ri­um. Der Film “Wild Tales” erzählt Geschich­ten aus der gesell­schaft­li­chen Wild­nis. „Film­kri­tik: Das bit­ter-süs­se Gift der Rache“ wei­ter­le­sen

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Theaterkritik: Mit Baudrillard auf Bundys Couch

Erin­nern Sie sich noch an die 90er Jah­re? Die Tota­li­tät der Mas­sen­me­di­en war an ihrem vor­läu­fi­gen Kul­mi­na­ti­ons­punkt ange­langt und bescher­te dem reiz­hung­ri­gen Publi­kum via CNN den ers­ten Live-Krieg der Geschich­te.

„Thea­ter­kri­tik: Mit Baudril­lard auf Bun­dys Couch“ wei­ter­le­sen

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Theaterkritik: Bananarama in Zombieland

 «Die­se Gesell­schaft ver­wan­delt sich von einem Sys­tem, das von sich selbst nichts wis­sen kann, über ein Sys­tem, das von sich selbst nichts wis­sen darf, in ein Sys­tem, das von sich selbst nichts wis­sen will.»

„Thea­ter­kri­tik: Bananar­a­ma in Zom­bie­land“ wei­ter­le­sen

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Theaterkritik: Polyphonie des Wahnsinns

Bea von Mal­chus dekon­stru­iert Shake­speare – und das sau­kom­isch

„Thea­ter­kri­tik: Poly­pho­nie des Wahn­sinns“ wei­ter­le­sen

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Asien, Kontinent der Vergewaltiger

Stu­di­en sind eine tol­le Sache. Man kann aus ihnen Schlüs­se zie­hen, ohne gross über deren Aus­sa­ge­kraft Rechen­schaft able­gen zu müs­sen. Der Jour­na­list oder die Jour­na­lis­tin kann sich bequem hin­ter der Quel­le ver­ste­cken. Erfolgt der Umgang mit dem Aus­gangs­ma­te­ri­al aber all­zu unkri­tisch, kann das mit­un­ter eine Bericht­erstat­tung zur Fol­ge haben, die schlicht dif­fa­mie­rend ist. „Asi­en, Kon­ti­nent der Ver­ge­wal­ti­ger“ wei­ter­le­sen

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Ein Ich, das schreiben will

Heinz Hel­le ist ein sprach­li­cher Schwerst­ar­bei­ter. Der Schrift­stel­ler, Phi­lo­soph und Wer­be­tex­ter ver­öf­fent­licht bald sei­nen ers­ten Roman. Im Neu­en Muse­um Biel liest er heu­te zusam­men mit Paul Nizon.

«Alles beginnt mit einem schö­nen Satz.» Gemeint ist das Schrei­ben. Für Heinz Hel­le bedeu­tet das, eine Melo­die in Gang zu brin­gen. Eine Ton­fol­ge, eine Klang­fol­ge, die mit dem ers­ten Satz beginnt und im Kopf bleibt, einen antreibt, Wort für Wort, Satz  für Satz. „Ein Ich, das schrei­ben will“ wei­ter­le­sen

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Die Zeit der Philosophen

Es sind wie­der Phi­lo­so­phietage in Biel. In der dies­jäh­ri­gen Aus­ga­be dreht sich alles um das The­ma Zeit. Ein Streif­zug durch die Theo­rien gros­ser Den­ker zeigt, wie aktu­ell vie­le Fra­gen noch sind. „Die Zeit der Phi­lo­so­phen“ wei­ter­le­sen

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Spielend gegen die Monotonie

Wäh­rend zwei Wochen küm­mert sich eine Grup­pe von Frei­wil­li­gen um die Kin­der im Durch­gangs­zen­trum Lyss-Kap­pe­len. Mit die­sem Ein­satz schaf­fen sie eine will­kom­me­ne Abwechs­lung zum tris­ten All­tag der Flücht­lings­kin­der. „Spie­lend gegen die Mono­to­nie“ wei­ter­le­sen

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Jene, die das Richtige taten

Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs ret­te­ten alba­ni­sche Mus­li­me jüdi­sche Flücht­lin­ge vor dem siche­ren Tod. In Biel fin­det die­se Woche eine Aus­stel­lung dazu statt.

Sie mar­schie­ren 36 Stun­den lang, Tag und Nacht. Die Brü­der Hamid und Xhe­mal Vese­li und ihre Gäs­te. Sie tra­gen Ver­klei­dun­gen, um nicht auf­zu­fal­len – wer­den sie ent­deckt, droht ihnen der Tod.

Alba­ni­en, 1943. Die Nazis beset­zen das ber­gi­ge Land, in der Welt tobt der Krieg. „Jene, die das Rich­ti­ge taten“ wei­ter­le­sen

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Der Nebel lichtet sich

Mit dem Herbst häufen sich im Seeland wieder die Nebeltage – allerdings weniger oft als früher. Das Wetterphänomen stellt selbst Wissenschaftler immer noch vor Rätsel.

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Literaturkritik: Die Unschuld der Tatsachen

In «Albert Thebell, Physiker und Fälscher» erliegt ein Hochstapler den Verlockungen des Ruhms und scheitert. Gianfranco D’Annas Wissenschaftskrimi ist beim Bieler Verlag die Brotsuppe erschienen.

«Wenn die Fak­ten nicht mit der Theo­rie über­ein­stim­men, ände­re die Fak­ten». Es ist nur schwer vor­stell­bar, dass ein her­aus­ra­gen­der Wis­sen­schaft­ler die­ses Ein­stein-Zitat als Auf­for­de­rung zum Betrug ver­ste­hen könn­te. Dass es aber sehr wohl mög­lich ist, stand spä­tes­tens am 21. Sep­tem­ber 2002 fest: Eine Unter­su­chungs­kom­mis­si­on kam zum ein­deu­ti­gen Ergeb­nis, dass der deut­sche Phy­si­ker Jan Hen­drik Schön in nicht weni­ger als 16 Fäl­len Mess­da­ten gefälscht hat­te. „Lite­ra­tur­kri­tik: Die Unschuld der Tat­sa­chen“ wei­ter­le­sen

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Literaturkritik: Ein Spiel der Gegensätze

 Eine über­ra­gen­de chi­ne­si­sche Pia­nis­tin, zwei zer­strit­te­ne Kri­ti­ker und ein Dis­put über das Wah­re und Schö­ne in der Musik. Davon han­delt Eti­en­ne Bari­liers Roman «Chi­na am Kla­vier».

Mar­cel Reich-Rani­cki schrieb einst: «Gera­de in den radi­ka­len Urtei­len eines Kri­ti­kers […] da, wo er die enthu­si­as­ti­sche Zustim­mung oder die ent­schie­de­ne Ableh­nung für erfor­der­lich hält, sind in der Regel sei­ne zen­tra­len Bekennt­nis­se zu fin­den.» Nach den Bekennt­nis­sen eines Kri­ti­kers zu fra­gen, das heisst zu fra­gen, wel­che Mass­stä­be und Auf­fas­sun­gen von Kunst, Stil und Geschmack bei der Beur­tei­lung eines Kunst­werks zum Tra­gen kom­men. In Eti­en­ne Bari­liers 2011 erschie­ne­nem Roman «Chi­na am Kla­vier» tref­fen zwei grund­ver­schie­de­ne Auf­fas­sun­gen auf­ein­an­der. „Lite­ra­tur­kri­tik: Ein Spiel der Gegen­sät­ze“ wei­ter­le­sen

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Nur der Schein trügt nicht

Was ist real, was ist Täu­schung? Die Foto­gra­fin Del­phi­ne Bur­tin beherrscht die­ses opti­sche Ver­wirr­spiel per­fekt.  Jetzt wur­de die Lau­san­ne­rin mit dem «Prix Pho­to­fo­rum» aus­ge­zeich­net. „Nur der Schein trügt nicht“ wei­ter­le­sen

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Literaturkritik: Das Schreien der Dinge

Es ist eine Geschichte des Scheiterns: der Philosophie, der Liebe, des Bewusstseins. Das Debüt des Bieler Autors Heinz Helle ist ein hypnotischer Trip in das Innenleben eines ruhelosen Denkers.

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«Ein jun­ger Mann kommt in eine Stadt. Er hat kei­nen Namen, kein Zuhau­se, kei­ne Arbeit: Er ist in die Stadt gekom­men um zu schrei­ben. Oder genau­er: Er schreibt nicht, son­dern hun­gert fast zu Tode.» Die­se Wor­te bil­den nicht nur den Auf­takt zu Paul Aus­ters «Die Kunst des Hun­gerns» – sie sind auch eine per­fek­te Umschrei­bung von Heinz Hel­les Roman «Der beru­hi­gen­de Klang von explo­die­ren­dem Kero­sin». Oder zumin­dest fast. Denn Hel­les namen­lo­sen Prot­ago­nis­ten quält kei­ne kör­per­li­che Gier, sein Hun­ger ist intel­lek­tu­el­ler Natur. „Lite­ra­tur­kri­tik: Das Schrei­en der Din­ge“ wei­ter­le­sen

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Die Physiognomie der Maschine

Über die Mimik von Ryan Gos­ling in “Dri­ve”

 

Er trägt kei­nen Namen. Nie­mand weiss, wo er her­kommt. Vor fünf, sechs Jah­ren ist er ein­fach auf­ge­taucht. Er ver­dingt sich als Fah­rer, wird zum Gegen­stand, den man benut­zen kann. „Die Phy­sio­gno­mie der Maschi­ne“ wei­ter­le­sen

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Krieg der Bilder

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Es gibt Bil­der, die alles Doku­men­ta­ri­sche ver­lo­ren haben. Die ursprüng­li­che Inten­ti­on des Pro­to­kol­lie­rens, des Fest­hal­tens und Abbil­dens hat sich zuguns­ten eines rei­nen Sym­bol­cha­rak­ters ver­ab­schie­det. „Krieg der Bil­der“ wei­ter­le­sen

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«Putin hat die Büchse der Pandora geöffnet»

Die Empö­rung über das rus­si­sche Vor­ge­hen auf der Krim ist gross. Zu den kri­ti­schen Stim­men gehört auch eine Ukrai­ne­rin aus der Regi­on Biel. Der Aus­bruch der Kri­se sei für sie ein Schock gewe­sen.

Ein beleb­ter Platz in Bern. Men­schen­strö­me kreu­zen sich unab­läs­sig. Und plötz­lich steht sie vor mir. Sie trägt einen Notiz­block, so wie ich – damit wir uns erken­nen. Ich sol­le sie Yele­na nen­nen. Eine 40-jäh­ri­ge Frau. Ihr gewell­tes, dun­kel­brau­nes Haar fällt in ihr fili­gra­nes Gesicht. Trotz der früh­lings­haf­ten Wär­me trägt sie einen lan­gen schwar­zen Herbst­man­tel. Eine ele­gan­te Erschei­nung durch und durch. «Ich hof­fe, ich habe noch kein Polo­ni­um abge­kriegt», sagt sie mit einem leich­ten Akzent. Das mag sar­kas­tisch klin­gen, doch die Ernst­haf­tig­keit in ihrer Stim­me macht einem sofort klar: Das ist kein Scherz. «Putin hat die Büch­se der Pan­do­ra geöff­net»“ wei­ter­le­sen

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Nicht tot zu kriegen

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Zom­bies sind weit­aus mehr als blos­se Schreck­ge­stal­ten des Hor­ror­ki­nos. Sie eig­nen sich beson­ders gut als Spie­gel­bild und Meta­pher für sozia­le und gesell­schaft­li­che Pro­zes­se. Die­ses Wochen­en­de regie­ren die Unto­ten das Film­po­di­um Biel.

Man stel­le sich das vor: John F. Ken­ne­dy erhebt sich aus dem Grab und wan­delt untot durch Washing­ton. „Nicht tot zu krie­gen“ wei­ter­le­sen

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30 Minuten …an einem Nicht-Ort

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Jede Gesell­schaft zehrt von ihren Mythen. „30 Minu­ten …an einem Nicht-Ort“ wei­ter­le­sen

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